Zur Zukunft des Weinbaues in Nordweil
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Zur Zukunft des Weinbaues in Nordweil; Autor Reinhard Frank , Kurzfassung

Der Verlust von 63 ha bestockte Weinbaufläche auf der Gemarkung Nordweil hat zu einem sogenannten
“Inselweinbau” geführt. Das heißt, Nachbarflächen bleiben unbebaut oder sind mit anderen Kulturen besetzt.
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... aber so auch nicht!!!
Aufgegebene Anlagen sind zu roden, weil Pilzbefall alle Nachbaranlagen auf hunderte Meter bedroht.
 

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Diagramm

Daten und Fakten zur obigen Tabelle:
   
Derzeitiger Stand der Nordweiler Rebfläche 63 ha. Rückgang seit 1994 (91ha)
    um 28 ha = 31 % davon im Umtrieb (Wiederanpflanzung)
    1. + 2. Standjahr sind 1,3 ha. Umtriebsquote = 2,1%

   Normal gilt eine Umtriebsquote von 3 – 3,5%. Das Weinland Baden hat derzeit eine Umtriebsquote
   (Stand 2012) von 2,4% Eine Umtriebsquote unter 2,5% deutet auf eine Ãœberalterung des Rebbestände hin.

   16 ha Pflanzrechte wurden im Berichtszeitraum verkauft und können somit
   ohne erneuten Zukauf von Pflanzrechten nicht mehr bepflanzt werden.

   Dies gilt zumindest in der gegenwärtigen Rechtslage des EU- Anbaustoppes.
 

    Quelle: Staatl. Weinbauinstitut Freiburg
          Abt. Weinmarktverwaltung
          Herr Bärmann 

Winzergenossenschaft Nordweil
- Daten und Fakten im Rückblick -
 

Rückblick_Daten_Fakten
Ernteergebnisse

Durchschnitt: 81,2

Breisgau: 69,6

Differenz = 11,6 hl/ha = -14,3%

Fazit: Der gegenwärtige vom BWK durchschnittlich bezahlte Erlös beträgt 7.400,-€/ha. Bei
einer Mengendifferenz von - 14,3 % ergibt dies einen Erlös von 6.342, - €/ha
Zur Erinnerung:
Der Durchschnittserlös aus 13 Ertragsjahren der WG Nordweil beträgt 6.635 €/ha

Rebsorten – Ertragsbewertungsskala (Vorschlag)
(Burgundersorten (Spätburgunder, Ruländer, Weißburgunder, Auxerrois)
Der Vorschlag respektiert Qualitätsansprüche der einzelnen Sortengruppe ebenso wie die Bedürfnisse des Vermarktungsbetriebes.

Staffel-Auszahlungen bei

80 kg

100 kg

120 kg

150 kg

>>> 180 kg

 

 

 

 

 

nicht akzeptabel

Traubenpreis:

110 %

100%

80%

70%

 

Müllerthurgau, Gutedel, Sylvaner u. a.

Staffel-Auszahlungen:

130 kg

150 kg

170 kg

200 kg >

 

 

 

 

 

Traubenpreis:

105%

100%

90%

80%

Die erreichte Bewertungsskala in der einzelnen Sorte gilt für das gesamte abgelieferte Quantum dieser Sorte.
Hauptvorteil: Qualitätserzeugung wird belohnt und Mengenerzeuger werden in ihre Schranken verwiesen. Die Umsetzung dieses Systems wäre
auch linear möglich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang und System, dass Trauben aus geringeren Erträgen wertiger sind und deshalb höher zu bezahlen sind als aus höheren Erträgen. Dieser Vorschlag einer geänderten Bezahlung ist mir besonders wichtig, weil damit nicht nur Nordweil, sondern der gesamte Breisgau zu einer gerechteren Bezahlung kommen würde. Ein Hauptanliegen von mir !!!

Zum Schluss auch das noch:

Zitate aus dem Agrarbericht 2012 der Bundesregierung :
„Der Gewinn der Weinbauspezialbetriebe ist im Wirtschaftsjahr 2010/11 gegenüber dem Vorjahr von
49.650 € um 3.988 € auf 53.638 € gestiegen.“

„Bei einer Jahresarbeitsleistung von 2000 Stunden je Arbeitskraft ergibt sich daraus ein Bruttostundenlohn
von 9,61 € inclusive des Arbeitgeberanteiles zur Sozialversicherung.

„Die Auszahlungsleistung je ha ist in vielen Genossenschaftsbetrieben deutlich zu gering. Der
Umsatzerlös der Genossenschaftsbetriebe beträgt nur 7.135 € je ha Ertragsfläche“.

„Die Stundenentlohnung der nichtentlohnten Familienarbeitskräfte der Betriebe mit genossenschaftlicher Vermarktung liegt aktuell bei 3,47 € /Std.

Der Autor Dr. Jürgen Oberhofer vom DLR Rheinpfalz kommt deshalb in seinem Artikel
„Fassweinbetriebe sind 2011/12 die Gewinner“ abgedruckt in der Fachzeitschrift „Der
Deutsche Weinbau v.5.10.2012“ zu folgendem Fazit:
Laut Agrarbericht beschäftigt jedes Unternehmen zwei nichtentlohnte Familienarbeitskräfte. Bei einer Jahresarbeitsleistung von 2000 Stunden je Arbeitskraft ergibt sich somit ein Bruttostundenlohn von 9,61€.
Allerdings ist hiervon noch die gesamte (Sozialversicherung ,Arbeitgeber -und Arbeitnehmeranteil) abzuziehen.
Somit wird deutlich, daß sich die Einkommenssituation im Weinbau im Vergleich zum Vorjahr zwar verbessert hat, weiterhin jedoch zu gering ausfällt. Bei den Betrieben mit genossenschaftlicher Vermarktung beträgt die
Entlohnung der Familienarbeitskräfte nur noch 3,47 € je Stunde.
Schlußsatz der Untersuchung: Es drängt sich die Frage auf, wie lange zumindest die wirtschaftlich schwächeren Betriebe im Genossenschaftsbereich noch überleben können.

Zusammenfassung:

  1. Der Hauptgrund des Flächenrückganges im Nordweiler Weinbau ist eine über viele Jahre unbefriedigende
    Erlössituation. Sie ergibt sich in Teilen auch aus dem Mangel einer zweiten Mengensorte neben dem Müllerthurgau.
    Der Hauptgrund ist aber eine über Jahre unzureichende Vermarktung. Kurz- oder mittelfristig wird sich das nicht
    ändern lassen. Langfristig gesehen bleibt dem Nordweiler Weinbau nichts anderes übrig als nach einer Alternative
    eines Vermarktungspartners zu suchen, sofern sich die Situation nicht grundlegend ändert.
    Es tut mir persönlich,als langjähriges Mitglied von Vorstand und Aufsichtsrat des BWK weh, eine solche Forderung erheben zu müssen.
    Aber der Erhalt der Nordweiler Rebfläche und das Einkommen der Winzer sind wichtiger als mein Befinden.
     
  2. Der Preis eines Produktes wird neben dem Verkauf auch durch den Aufwand bestimmt. Besonders im Nebenerwerb
    sind Winzer gut beraten, den maschinellen Aufwand in Grenzen zu halten. Ebenso gibt es sinnvolle Möglichkeiten,
    die eine oder andere Arbeit zumindest zeitweise zu delegieren. Entsprechende Möglichkeiten wird der nächste
    Vortrag des „Maschinenring Breisgau“ aufzeigen.
     
  3. Wir sollten gemeinsam alles tun, den Charakter unseres Weindorfes zu erhalten, um dadurch auch zu verhindern,
    dass „Inselweinbau“ entsteht durch Mischkulturen in den abgegrenzten Weinbaulagen. Keine unserer Nachbargemeinden hat in der Vergangenheit für die Schaffung von flurbereinigtem Weinbau mit Erschließung von Flächen und der Schaffung vernünftiger, wirtschaftlicher Parzellengrößen so viel getan wie Nordweil. Dies hat viel
    Geld gekostet. Das war nicht nur Winzergeld, sondern ein sehr hoher Anteil an öffentlichen Fördergeldern. Dies sollte
    uns zu denken geben!!!
    Arbeiten wir doch daran!!!
     
Aufmerksamkeit

Rebveredlung FRANK · Rebenhof · Nordweil · 79341 Kenzingen
Tel. +49 (0 76 44) 17 06 · Fax: +49 (0 76 44) 86 30 ·
Email:
frank-reben@t-online.de

aktualisiert 24.12.2015