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     Versuchsberichte

Untersuchungen zur Beerenstruktur an der Sorte Blauer Spätburgunder
Beitrag in “Der Badische Winzer” 11/2000
Reinhard Frank, Rebenhof, 79341 Kenzingen-Nordweil       Okt. 2000

Der Blaue Spätburgunder gilt wohl zu Recht als die klassiche Rotweinsorte der Weinbauzone B. Wie keine andere Sorte vereint sie bei rubinroter Farbe einzigartige Duft- und Geschmacksnuancen.
Andererseits leidet der Spätburgunder in unregelmäßigen Jahrgangsabständen immer wieder an Botrytisbefall der Trauben.
Botrytisbefall beginnt nach längeren Schlechtwetterphasen im Regelfall in der Mitte der Traube, wo die Beeren dicht und oft übereinander strukturiert sind und sich gegenseitig wegpressen, anstecken oder platzen. Die Struktur des Traubengerüstes und die Größe der Beeren ist somit ein wichtiger Enflußnehmer, die Fäulnis einzugrenzen oder gar zu verhindern.
In der nachfolgenden Untersuchung werden diese Zusammenhänge anhand verschiedener Klone dargestellt.

Zur Versuchsdurchführung:

Aus einer Klonen-Vergleichsanlage auf Gemarkung Nordweil wurde ein Versuchsfeld mit insgesamt 7 teils sehr unterschiedlicher Klonen ausgewählt.
Ein weiterer Klon (als “Frank-Pinot” bezeichnet) wurde als ein Mutant aus einer Frank-105S - Vermehrungsanlage aus der Gemarkung Burkheim ergänzt. Aus diesen 8 verschiedenen Klone wurde am 2.10.00 jeweils 1 repräsentativer Stock ausgewählt. Die Klon-Anlage in Nordweil wurde Mitte August nach den Grundsätzen der Qualitätssicherung ausgedünnt.

Nach der Aberntung der Rebstöcke wurde:

1. das Traubengewicht festgestellt.
2. die Anzahl der Trauben festgestellt.
3. die Botrytisbeeren einzeln ausgezählt.
4. alle Beeren in 5 Beerengrößen kalibriert.
5. die Beerenanzahl pro Traube ermittelt.
6. die Struktur der leeren Traubenkämme fotografisch erfasst und schematisch aufgezeichnet.
7. die Versuchsvarianten zur Ermittlung der Farbstoffwerte an das Labor des
   Staatl. Weinbauinstitutes in Freiburg weitergeleitet.

Zusätzlich wurde bei der Ernte des Gesamtbestandes zur Kontrolle nochmals das Mostgewicht der einzelnen Klone erfasst.
Die Ergebnisse werden nachfolgend in Tabelle 1 und Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 1 - Klon:

Gewicht/Stück

Stück Trauben

Beeren gesamt

Beeren faul (%)

Frank 105/7/10

4070

22

2504

64 (2,6)

Fr 52-86

2760

13

1553

183 (11,8)

FrankCharisma

2180

16

1672

128(7,7)

FrankVision

3350

21

2539

90 (3,5)

Frank 105S

2610

15

1929

69 (3,6)

FrankClassic

2570

19

2014

55 (2,7)

FrankPinot

1520

21

2031

141 (6,9)

Mariafeld 1

2680

20

1561

20 (1,3)

Durchschnitt

2718

18,4

1975

94 (5,0)

In dieser Tabelle 1 wird bereits deutlich, dass der Botrytisanteil der Trauben nur zu einem Teil mit der Größe der Beeren und der Dichtbeerigkeit in Zusammenhang zu bringen ist.
Dies wird bei dem Mutanten “PinotFrank” sehr deutlich.
Bei dieser Variante wird in der nachfolgenden Tabelle 2 deutlich, dass die Beeren derart klein sind, dass ein gegenseitiges Berühren kaum möglich war. Trotzdem war der gemessene Faulanteil relativ groß. Allerdings waren es dort immer nur die allerkleinsten Beeren, so dass der Faulanteil in % ein etwas schiefes und unrealistisches Bild vermittelt, kleine Beeren sind früher reif, als größere Beeren. Andererseits belegen die Werte beim “Marienfeld 1”, dass große und dickschalige, einzeln hängende Beeren deutlich zu einem geringeren Faulanteil führen. Auch deshalb, weil größere Beeren in der Regel später reifen.

Bei der Untersuchung zur Beerengröße sollte versucht werden, eben diese Zusammenhänge zu ermitteln. Kleinbeerigkeit wird allerdings bei den meisten Keltertrauben der nördlichen Weinbaugebiete auch als Qualitätskriterium betrachtet. So ist allgemein bekannt, dass bei der Traube, wie auch bei den übrigen Obstarten die wesentlichsten Bestandteile von Phenolen, Farbstoffen, Aromastoffe und Vitamine in der Schale sitzen. So beraubt man sich selbst der wesentlichsten Vitamine eines Apfels, wenn er geschält verzehrt wird.
Je kleiner die Beere, umso größer ist die sogenannte “Innere Oberfläche” bzw. der Anteil der Beerenschale im Verhältnis zum Saft. Aus diesem Grunde wird auch die Wertigkeit eines Weißen Riesling oder eines Ruländers höher eingeschätzt als beispielsweise eines Trollingers, eines Silvaners oder eines Gutedels.
Gelänge es beispielsweise Kleinbeerigkeit, Lockerheit des Traubengerüstes in nicht allzu großen Trauben zu integrieren, so käme man den Idealen und Qualitätsvorstellungen des klassichen Pinots am nächsten. Dabei gilt es selbstverständlich auch zu berücksichtigen, ob aus dem Produkt ein einfacher Vierteleswein oder ein anspruchsvoller, kostendeckender Prädikatswein entstehen soll.

In der nachfolgenden Tabelle 2 wird deutlich, wo die Mehrheit der jeweiligen Beeren bezüglich ihrer Größe angesiedelt ist:

Ermittlung von Beerengröße, Mostgewicht und Traubenumfang:

Tabelle 2 - Klon:

- 10 mm

-12 mm

-14 mm

-16 mm

+ 16 mm

Zus. Incl. Faul

Oe

Beeren proTraube

Frank 105/710

 32

176

1095

797

340

2504

88

114

Fr 52-86

 23

179

 683

434

 51

1553

86

119

FrankCharisma

 11

118

 850

479

 75

1672

86

104

FrankVision

 71

295

1169

707

207

2539

89

120

Frank 105 S

 77

273

 802

463

245

1929

92

128

FrankClassic

 37

316

1171

339

 51

2014

82

106

FrankPinot

1236

375

 238

 41

 0

2031

94

 96

Mariafeld 1

  9

 90

 471

669

322

1561

86

 78

Durchschnitt:

 187

199

 810

491

161

1975

87,8

108

Die gemessenen Beerengrößen lassen erkennen, dass die Mehrheit der traditionellen Klone überwiegend im Bereich von - 14 mm angesiedelt sind.
Variabilität der Sorte Bl. Spätburgunder wird aber auch bei den Herkünftigen Pinot Frank und Marienfelder deutlich.
 Die gemessenen Werte bei Marienfelder 1 können in Bezug auf Beerengröße wohl auch auf die verschiedensten Nachkömmlinge dieses Klontypes übertragen werden.
Eine besondere Bedeutung gewinnt beim gegenwärtigen Rotweinboom auch die eigentliche Verarbeitung zu Rotwein. Das heißt, neben der Botrytisfreiheit ist die Intensität der Farbe ein wichtiger Faktor.
In der nachfolgenden Tabelle 3 wurden mit dankenswerter Unterstützung des Staatl. Weinbauinstitutes Freiburg die Farbwerte der Versuchsvarianten ermittelt.
Aus versuchstechnischen Gründen blieb der jeweilige relativ geringe Faulanteil in den Versuchsproben integriert.

Ermittlung der Farbwerte:

Tabelle 3 - Klon

A:
E 420

B:
E 520

C:
E 620

Farbintensität: Summe: A B C

Farb- (I) Nuance

Farb- (N) Nuance

Frank105/7/10

0,384

0,632

0,173

11,89

0,61

68,04

Fr 52-86

0,187

0,387

0,064

6,38

0,48

63,43

FrankCharisma

0,220

0,512

0,067

7,99

0,43

71,10

FrankVision

0,233

0,526

0,070

8,29

0,44

71,16

Frank 105 S

0,226

0,530

0,068

8,24

0,43

71,79

Mariafeld M1

0,283

0,710

0,086

10,79

0,40

76,82

FrankPinot

0,243

0,554

0,072

8,69

0,44

72,18

FrankClassic

0,209

0,497

0,062

7,68

0,42

70,85

In der folgenden Tabelle Nr. 4 werden die ermittelten Stockerträge auf Ar-Erträge hochgerechnet. Dabei wird eine Stockzahl von 48 Stock/ar als Grundlage errechnet. Bei dieser Hochrechnung ist allerdings zu berücksichtigen, dass für die Praxis ein gewisser Abschlag in Anrechnung zu bringen ist, da in der Praxis nicht davon ausgegangen werden kann, dass es keine Fehlstöcke gibt und der eine oder andere Stock auch einmal weniger tragen wird.
Das angegebene Mostgewicht wurde jeweils bei der Lese am 04.10.00 der gesamten Klonenvarianten gemessen.

Tabelle 4 - Klon:

Stockertrag x 48 (ar)
Angaben in kg/ar

Erntemostgewicht in
Oe bei der Ernte

Frank 105/7/10

195

87

Fr 52-86

132

88

FrankCharisma

104

87

FrankVision

161

89

Frank 105 S

125

90

FrankClassic

123

86

FrankPinot

73

94 Einzelstockmessung

Mariafeld 1

129

85

Zusammenfassung:

Aus dem Jahrgang 2000 wurden aktuell verschiedene Spätburgunder-Variationen einer Traubenstruktur-Analyse unterzogen.
Die große Variabilitätsbreite in Trauben und Beerenstruktur konnte anhand der Untersuchung aufgezeigt werden. Am Beispiel der Extreme wie Marienfeld 1 und Frank-Pinot konnte aufgezeigt werden, dass Klone auch im Rahmen eines Produktmanagement gezielt ausgewählt werden müssen, um das zu erzeugen, was die jeweilige Kundenstruktur verlangt. Insgesamt ist der Winzer gut beraten, wenn er bei zunehmendem Sortenanteil des Blauen Spätburgunder sich nicht auf einen Klon alleine stützt, sondern das Verlangen des Marktes mit den betrieblichen Erfordernissen, wie frühreifende und spätreifende Variationen in Einklang bringt.
Reinhard F r a n k

aktualisiert am: 04. Januar 2017

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