Schweiz und Deutschland im sehr interessanten Vergleich ( 4.3.2016)
Im Deutschen Weinmagazin Nr. 4 vom 27.2.2016 habe ich unter der Überschrift “Winzer klagen über Preise” einen sehr in interessanten Artikel entdeckt. Da haben sich Winzer aus den Schweizer Kantonen Graubünden, aus der Bündner Herrschaft, aus Schaffhausen und dem deutschen Weinort Erzingen zu einer Podiumdiskussion unter der Leitung von Andrea Davaz zusammen gefunden.
Es ging vor allem um den Bl.Spätburgunder, der in der Schweiz als Blauburgunder bezeichnet wird.
Zum Beginn der Podiumsdiskussion wurden zunächst einige statistische Werte genannt.
So trinkt der Schweizer Konsument im Jahr 36 Liter Wein und kauft die Flasche durchschnittlich mit
9,48 Franken ein.
Der deutsche Konsument trinkt im Jahr 15 Liter Wein und kauft den Liter zum Durchschnittspreis von
2,49 € ein.
Die günstigsten Weine liegen bei den Podiumsgästen zwischen 10- 15 Franken/Flasche. So kam die agressive Frage des Podiumsleiters: “Müsste der Winzer bei diesen Preisen nicht mehr für die Trauben bekommen?” Andrea Davaz aus Graubünden bemerkte, dass die Winzer dort für das Kilo Blauburgunder 3,50 Franken bekommen. Dies ist der Preis für die Hallauer Winzer. Für die gleiche Sorte wird im Kanton Graubünden der Preis für das Kilo 5,20 Franken bezahlt.
Martin Stoll von der Winzergenossenschaft Erzingen, Baden berichtete eben auch von der gleichen Sorte, dass diese im Durchschnitt je nach Qualität zwischen 1,20€ und 2,00€ per Kilo bezahlt wird.
Andrea Davaz sieht deshalb die Zukunft bei den Selbstkelterern (Weingütern). Ein anderer meinte, es liegt auch daran, dass nicht nur die Rebstöcke zunehmend älter werden, sondern auch die Rebleute.
Interessant wird die ganze Geschichte erst, wenn man sich die daraus sich ergebenden Ha-Erträge ermittelt. Sie sind letztlich der Schlüssel und der Vergleichswert mit dem der deutsche Winzer arbeitet
In der Datenermittlung gehe ich einmal davon aus, dass ein Durchschnittsertrag beim Blauburgunder
(Bl.Spätburgunder) von Niveau, also kein Literflaschen-Ertrag nicht über 100kg/ar gehen sollte.
Das gibt dann beim Hallauer Winzer ein Ha-Ertrag von 35.000,- Franken
Beim Graubündener Winzer ergibt sich unter den gleichen Voraussetzungen, aber mit dem Kilopreis von 5,20 Franken ein Ha-Wert von 52000,- Franken. Vielleicht sind dort im Kanton Graubünden auch noch Steillagen zu berücksichtigen, dann wird es wohl auf Grund des Arbeitsaufwandes weniger sein.
Aber was hat sich wohl der Erzinger (Baden) Winzer bei all dem gedacht.?
Bei alledem , einen Kilopreis von durchschnittlich 1,50 € per Kilo Spätburgunder und ebenfalls einem Ertrag von 100kg/ar ergibt sich ein Ha-Wert von 15.000,-€/ha. Wobei der Erzinger Winzer noch gut dran ist. Denn der Hektarwert beim Bad.Winzerkeller dümpelt bei ca. 8400,-€ herum:
Was machen wir nur falsch? Müssen wir denn jetzt alle “Selbstkelterer” werden?
Das sind wirklich Zahlen zum Nachdenken!!!               Reinhard Frank

Sept. 2012 + Februar 2013 Neues aus der Vermarktungsfront von Badischen Weinen
Ich fände es gut, wenn sich die um ihr wirtschaftlich Überleben ringende Winzerschaft sich hin und wieder darum kümmern würde, die Präsentation ihrer Weine in den diversen Discountern anzu schauen. Ich jedenfalls tue dies immer wieder und mache da manchmal haarsträubende Entdeckungen. Ein Beispiel idafür:
Im Freiburger Real-Markt-Nord gibt es neben einer breiten Präsentation ausländischer Weine auch einen gut sortierten Markt für Badische Weine. Diese nehme ich hin und wieder einer eingehenden Betrachtung.
So gibt es dort die übliche Einordnung nach den so genannten “Regal-Metern”. Das ist dann in der Regel eine Breite von 6 nebeneinander angeordneten Flaschen. Dabei hab ich zu meiner eigenen Verblüffung bemerkt, dass selbst eine vor den Toren der Stadt Freiburg liegende Großkellerei wie der Bad. Winzerkeller sich mit der gleichen Größe an Regalmetern präsentiert wie ca. 100 km entfernte Kellereien wie Oberkirch, Affental, aber auch näherliegende aus dem Kaiserstuhl wie Bischoffingen, Ihringen usw. Schon vor längerer Zeit habe ich den Badischen Winzerkeller darauf aufmerksam gemacht, wie das sein kann. Stecken doch gerade aus der Region Breisgau und Kaiserstuhl das Mehrfache an Winzerschaft aus diesen Regionen dahinter.
Damals hatte man mir geantwortet, es gäbe dafür einen Ausgleich mit der Präsentation diverser Sektsorten. Aber das ist niemals das Gleiche. Sekt ist ein von Wein verarbeitetes Produkt und damit zweitrangig.
Das ist aber noch nicht alles.Teil dieses einen Regalmeters für den Badischen Winzerkeller (BWK) war über sehr lange Zeit ein Literflaschenwein der Sorte Müllerthurgau des BWK zum Preis von 1,98 €. Ich hab dann das ganze Angebot der Bad. Weine durchsucht, hab aber keinen badischen Wein gefunden, welcher unter der ominösen Marke von 2 € angesiedelt war.
Man braucht wirklich nicht Mathematik studiert haben, um zur Feststellung zu kommen, dass nach Zusammenrechnung der Gestehungskosten wie Verarbeitung im Keller, Glas, Lohnkosten, Kosten der Betriebsführung,(Management) usw. kein einziger Cent mehr für den Winzer übrig bleibt.
Natürlich habe ich auch diese Situation beim BWK zur Sprache gebracht. Zunächst erfolglos.
Irgendwann, ich glaube Anfang dieses Jahres 2012 hatte es dann der Wein doch noch geschafft und wurde mit 2,14€ deklariert. Aber war es nun wirklich geschafft? Mitnichten! Vor wenigen Wochen ist der alte Preis wieder zurück gekehrt und kostet wieder 1,98 €.
Dies also genau zu einer Zeit, in der gerade vom BWK der verstärkte Anbau dieser Sorte wieder empfohlen wird, weil auch aufgrund des zurückliegenden Rotweinbooms die Wiederanpflanzung der Sorte vernachlässigt wurde und eine Überalterung der Bestände nicht bestritten werden kann.
Was also kann mit dieser Preisreduzierung beabsichtigt sein?
Normalerweise nach den Gesetzen der Marktwirtschaft kann es ein Überangebot in der Produktion sein. Es kann auch ein weiterer Werteverlust dieser Sorte mit der Folge sein, dass die Sorte nicht mehr geht.
Bei beiden Gründen wäre dann aber die Empfehlung zum Anbau der Sorte nicht nachvollziehbar.
Es könnte aber auch noch einen anderen Grund geben. Es könnte zum Beispiel sein, dass dieser Discounter einfach einen Bad. Wein eben unter der werbewirksamen Schwelle unter 2.00€ anbieten will.
Aber dann kann und darf es nicht sein, dass dies immer der BWK sein muss. Dann müsste es eine Absprache unter denjenigen Kellereien geben, welche die gleiche Größe oder sogar deutlich mehr von Regalmetern besetzen und dann auch mal dran kämen und in einen solchen “sauren Apfel” beißen müssten.
Aber wem sag ich das? Ist das nun wieder so ein peinlicher Ausrutscher vom Frank?
Ich fürchte, dem BWK ist nicht bewusst, was in den nächsten Jahren auf ihn zukommt.
Das erste wird nun ein erheblicher Verlust von Rebfläche und Erträgen sein und dann kommt ein tiefes, finsteres Loch. Siehe hierzu auch
Zum Rebflächenschwund und Blog von Reinhard
Reinhard Frank


15.August 201
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100 Jahre Badischer Weinbauverband; eine interessante Broschüre.
Aber fehlt da nicht was ??
In der Tat, da hat der Badische Weinbauverband zu seinem 100. Geburtstag ein sehr interessantes, 147 Seiten starkes Werk aufgelegt.
Der Historiker Markus Eisen ist tief in die Wurzeln der Geschichte des Verbandes eingedrungen und eine ganze Reihe von Autoren haben das Werk mit einer Reihe von Beiträgen ergänzt.
Eine Seite des Werkes blieb der Rebenzüchtung ganz allgemein vorbehalten und zu diesem Thema hat der derzeitige Leiter der Rebenzüchtung des Badischen Weinbauinstitutes Dr.Volker Jörger einen Beitrag geschrieben. In einem kurzen Absatz erwähnt Dr. Jörger daß zum Zeitpunkt des Beginnes des 20.Jahrhunderts in den wichtigsten Hauptsorten wie die Burgundersorten, des Gutedels, des Sylvaners und des damals noch angebauten Elblings infolge von Degeneration und teilweise auch Virusbefalles nur noch Erträge von 8 -15 hl/ha erzielt wurden. Weit weg von einer Wirtschaftlichkeit!
Es war dann tatsächlich der Klonezüchtung in diesen Sorten vorbehalten ,Biotypen zu selektieren und zu vermehren. So konnte der Ertrag in eine wirtschaftliche Dimension von 70 - 90 hl/ha gesteigert werden, ohne dass damit die Qualität der Weine verloren ging.
Der Beitrag erweckt den Eindruck, dass das alles auf dass Konto der Institute, hier des Staatl. Weinbauinstitutes in Freiburg ging. Das war mitnichten so!
Dem damaligen Leiter der Rebenzüchtung in Freiburg Herrn Dr. Johannes Zimmermann war es ein oft zu hörendes Anliegen, die Praktiker im Weinbau selbst für das Suchen von Biotypen zu begeistern und so hat er zeitlebens private Klonezüchter begleitet und gefördert. Realistisch betrachtet hat die Klonezüchtung während dieser 100 Jahre einen viel entscheidenderen Einfluss auf die
Entwicklung des Weinbaues ausgeübt, als die Kreuzungs- und Resistenzzüchtung.
Damit soll nichts gegen die Kreuzungszüchtung und schon gar nicht gegen die Resistenzzüchtung gesagt werden. Sie ist für die Zukunft richtig und notwendig. Aber wiederum realistisch betrachtet war es in der Vergangenheit fast nur der Müllerthurgau, der in diesen 100 Jahren einen wirtschaftlichen Beitrag aus der Kreuzungszüchtung geleistet hat.
Aus diesem Grunde fand ich es sehr schade, dass Rebenzüchter wie Dreher, Schopferer, Hauser, Stuber, um nur einige zu nennen, keinen verdienten Platz in der Broschüre gefunden haben.
Der Begriff Klonezüchtung kam in der ganzen Broschüre eben nur auf dieser einen Seite vor.
Dies wird der Bedeutung der Klonezüchtung im Bad.Weinbau in keiner Weise gerecht.
Eine ähnliche Beobachtung mache ich auch bei den jährlichen Tagungen. Bei der Auswahl der Beiträge und der Autoren gewinnt man immer wieder den Eindruck, daß die Bedeutung der Klonezüchtung ausschließlich beim Weinbauinstitut angelegt ist.
Das hängt mit der wohl gängigen und verbreiteten Meinung zusammen:

Vorträge und Beiträge von Referenten und Mitarbeitern diverser Institute sind Berichte über Forschung und Entwicklung.
Beiträge privater Züchter sind Werbung.

Reinhard Frank

Das 147-seitige Werk:” 100 Jahre Badischer Weinbauverband” ist zu beziehen vom Badischen Weinbauverband, Merzhauserstr. 115 79100 Freiburg zum Preise von 5,00 € + Versand.

 

Tagung des CIP(Comitée International Pepineristen) Internationaler Rebveredlerverband
Es kann nicht die Aufgabe dieses Berichtes sein, den gesamten Kontex der Tagung und ihrer Ergebnisse hier darzustellen. Ich nehme nur einen wesentlichen TOP heraus, welche ich als autorisierter Teilnehmer der Tagung in Bezug auf die Bedeutung der Deutschen Rebenpflanzguterzeugung als wichtig erachte und welche ich aus meiner Sicht kommentieren möchte.
Schon bei der sehr interessanten Protokollierung einer Besprechung in Bonn, an der neben dem Verband Dt. Rebenpflanzguterzeuger auch der Dt. Rebenzüchterverband teilgenommen hat und der über die Besprechung mit dem Landwirtschaftsministerium das Protokoll verfasste, tauchte erstmals der Begriff der EU Better Regulation auf.
Es ging damals um eine rigide Anwendung einer staatl. Beschaffenheitskontrolle von Rebenpflanzgut in Deutschland, welche es in keinem anderen Mitgliedsland der EU in dieser Form gibt und noch nie gegeben hat..
Inzwischen hat das beauftragte Dt. Bundessortenamt diese aufwändige, zeitraubende und teure Form der Beschaffenheitsprüfung in Deutschland im Gegensatz zu den anderen Mitgliedsländern geprüft und deren Unterschiedlichkeit zu den anderen euopäischen Mitgliedsländer amtlich bestätigt. Gleichheit in der Anwendung der EU-Vorschriften in den verschiedenen Mitgliedsländern der EU sieht also anders aus. Aber das haben wir in Deutschland schon immer gewusst, aber keiner getraut sich das zu sagen bzw zu schreiben.
Besserung für die Dt. Rebenpflanzguterzeugung soll nach Auskunft des Ministeriums die sogenannte
“EU Better Regulation”- Initiative bringen. Aber was ist das nun ? Kaum jemand aus unserer Branche hat von diesem Begriff jemals etwas gehört. Charlotte Leonhardt, vom Institut für Saatgut, Österreich hat über diese Initiative eingehend berichtet. Interessant daran ist, dass diese EU-Initiative schon im Jahr 2005 mit der Maßgabe “Meilensteine auf dem Weg zu besseren Gesetzen” gegründet wurde. Ziel der Initiative ist:
Verringerung der Verwaltungskosten, Messung von administrativen Kosten und Reduktion von administrativen Belastungen, vollständige Deregulierung, Bürokratieabbau etc. Vieles davon betrifft auch unsere Anliegen in Deutschland. Da darf man ja mal gespannt sein, was diesbezüglich in Deutschland geschieht..
Wiederum interessant ist aber nun, wie mit der Initiative länderspezifisch umgegangen wird.
Während z.Bsp. Österreich sich längst und intensiv mit der Initiative beschäftigt hat und bereits deutlich signalisiert hat, dass Österreich keine Veränderungen bei der existierenden nationalen Umsetzungsregelungen der EU-Verordnung will ( zur Erinnerung: dort nur Beschaffenheitsprüfung nur in Zweifelsfällen), meldet Deutschland, Frankreich und auch andere Mitgliedsländer von der Möglichkeit der Vorschlagsmöglichkeit noch nie etwas gehört zu haben. Jetzt im Februar 2013 taucht diese EU Better Regulation -Initiative erstmals in einer Sitzung des Deutschen Rebenzüchtervereines auf. Aber das kann noch lange gehen bis zur Umsetzung, wenn überhaupt.
Genau so war es schon immer. Die Branche von Deutschland erhält von Gesetzesinitiativen, welche die Pflanzgutbranche betrifft, erst eine Einladung zur Stellungnahme, wenn das Gesetz quasi schon “gebacken” ist und wundert sich dann, wenn man bei der sogenannten “Anhörung” mit leeren Händen enttäuscht wieder nach Hause kommt. Sogenannte und durch mich angeblich gefährdete “gute Beziehungen” sehen anders aus.
So geschehen in 2005, als es um die Konstruktion der neuen Rebenpflanzgutverordnung ging. In dem Kreis des halben Dutzend Eingeladenen befand sich nur ein Rebveredler, aber der hatte sich als Beauftrager des Dt. Weinbauverbandes um die Rechte des Verbrauchers, sprich den deutschen Winzer zu kümmern.Mich hat es fasziniert, wie der österreichische Verbandsvorsitzende mit Genugtuung die sehr gelungene Präsentation der Österreicher mit den Worten kommentierte: Kontrolle ja, aber bitte in Eigenverantwortung und keinen Schritt zurück davon.
Ich fühlte mich in meiner Einschätzung weitestgehend bestätigt, dass es eben Situationen gibt in einer Verbandspolitik, wo es durch Betroffene , wenn es sein muss, den Mut braucht, “auch mal auf den Tisch zu hauen” und die volle Emotionalität rüber bringen muss. Das ist nun mal so in der Politik und das gilt auch für Verbands-Politik.
Für die deutschen Rebveredler heißt es in Bezug auf diese EU Better Regulation AUFGEPASST ! Nicht gleich mit Kompromissen anreisen. Maximales durchsetzen! Meine Möglichkeiten sind inzwischen beim Verband Dt. Rebenpflanzguterzeuger begrenzt. Dies hab ich auch bei dieser Tagung feststellen müssen. Die personellen Strategien für die Zukunft dieses Verbandes sind inzwischen klar festgelegt. Das war gut zu beobachten. Wir sind in der Vergangenheit mit Vorsitzenden aus den Forschungsinstituten im Allgemeinen ganz gut gefahren. Das lag daran, dass unser erster Bundesvorsitzender Prof. Dr. Becker sich mit den Anliegen der Deutschen Rebveredlung identifiziert und dafür gekämpft hat. Die Erfahrung lehrt uns, fundamentale Interessen des Berufsstandes im Auge zu behalten und auch mal dafür richtig zu kämpfen und nicht nur abnicken. Deshalb muss auch die Praxis eingebunden sein. Es muss uns zu denken geben, dass sämtliche mir bekannten Mitgliedsverbände der EU im Vorstand aus Praktiker des Berufsstandes rekrutiert wurden. Auch bei unseren Landwirtschaftsverbänden in Deutschland ist das ein ganz normaler Vorgang und so vollzogen. Nichts gegen Akademiker, sofern sie es fertig bringen sich mit dem Berufsverband zu identifizieren und nicht nur mit den Akademikern der Politik und der Verwaltung kunkeln. Wann endlich nehmt ihr Praktiker dazu, welche das alles bezahlen müssen.    
Reinhard Frank