Erhaltungszüchtung beim “Blauen Spätburgunder”

“Gutes besser machen” - Mein Leitgedanke bei der Klonenzüchtung

Der Blaue Spätburgunder ist die Leitsorte bei den Rotweinsorten in der europäischen Weinbauzone “B”. Seine rubinrote Farbe, sein zartes Bukett mit seinen verhaltenen Duftnoten machen ihn zur herausragenden Rotweinsorte dieser Gebiete.
Gewisse Schwächen in der Botrytisfestigkeit, seine Neigung zur Degenerierung und eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber dem Befall von Virosen verlangen nach einer dauerhaften züchterischen Arbeit an dieser Sorte.

Bereits 1959, ermutigt durch Anregungen von Dr. Johannes Zimmermann, dem damaligen Leiter der Rebenzüchtung beim Staatl. Weinbauinstitut Freiburg wurden durch Reinhard Frank 10 Einzelstöcke in einem Rebbestand in Nordweil ausgelesen und vermehrt.
Zu diesem Berichtszeitraum (Okt.2014) sind nun 55 Jahre vergangen. In der ganzen zurückliegenden Zeit habe ich sämtliche Auslesevorgänge, Selektions- vorgänge, Durchführung gesetzlicher Bestimmungen, Kosten der Klonezüchtung
(auch nach meinem Ausscheiden aus dem Gesamtbetrieb) alleine und selbständig ausgeführt bzw. erledigt. Klonezüchter war also nie der Gesamtbetrieb, sondern ich alleine als Privatperson Reinhard Frank.
Als solcher habe ich auch diverse begleitende Fachartikel geschrieben und zu verschiedenen Zeiten auch Vorträge über meine Arbeit gehalten.
Immer wieder habe ich verschiedene Verbände angemahnt, bei diversen Veranstaltungen nicht nur die Arbeit der staatlichen Forschungsanstalten in Tagesordnungen zu plazieren, sondern auch die Arbeit der Privaten Klonezüchter darstellen zu lassen.
Nun aber zu Details meiner 55jährigen Züchtungsarbeiten:

Nach den Grundsätzen und den Regeln der Allg. Erhaltungszüchtung und den Richtlinien des Bundessortenamtes wurde der Nachbau der einzelnen Stöcke geprüft, in mehreren weiteren Generationen vermehrt und die Eigenschaften bewertet, die Ergebnisse dokumentiert und schließlich auch der entstandene Wein analytisch und organoleptisch geprüft und dokumentiert.

1978 erfolgte eine weitere Einzelstockauslese von Biotypen aus dem bereits geprüften Potential mit der Zielsetzung der Leistungssteigerung und in den Jahren 1982 und 1990 wurde der inzwischen möglich gewordene Virus- und Mauketestierung, welche die Bestätigung der bereits erfolgten visuellen Prüfung erbrachte, vollzogen.

Anbauerfahrungen liegen inzwischen aus fast allen deutschen Weinbaugebieten vor. Ebenso gibt es bereits eine ganze Reihe von Anbauerfahrungen aus benachbarten EU-Ländern.
Derzeit testen wir neue Einzelstockvermehrungen, bei denen wir uns als Zuchtziel kleinere Trauben, kleinere Beeren und damit niedrigere, aber stabile Erträge gesetzt haben. Größere Lockerheit der Trauben wurde bereits in den Nachfolgeklone FrankCharisma (F105/7/3) und FrankVision (F105/7/5) erreicht.
Deutlich niedrigere Erträge mit kleinen und kleinbeerigen Trauben erreichten wir bei dem Klon “FrankPinot”, mit dem nun inzwischen ein völlig neuer Spätburgunder-Klon zur Verfügung steht, der den Ertrag auf 50kg/ar begrenzt. Er macht damit die Erzeugung von Spitzenweinen möglich. Eine Voraussetzung zur Erzeugung sogenannter Kultweine, welche die Spitze unserer Qualitätspyramide bilden sollten.
Hier steht uns inzwischen doch schon einiges an Vermehrungsmaterial für die Praxisvermehrung zur Verfügung. Lesen Sie auch mehr hierzu bei “Eigene Versuchsberichte”.
Resummé aus den letzten 13 Jahren bis inclusive 2014:
Frank-Klone sind nun zum mindesten in Baden zu den dominierenden Klone des Spätburgunders geworden. Manche sprechen auch von Kult-Klone. Allen voran der Frank 105S. Es erscheint aber notwendig, darauf hin zu weisen, zunehmend die NachfolgeKlone “FrankCharisma und FrankVision in das Klonesortiment ein zu bauen, weil sie einen weiteren Fortschritt in Bezug auf Lockerbeerigkeit bringen und die Ertragsbeständigkeit erhalten geblieben ist. Lediglich die Ertragshöhe wurde etwas reduziert, was auch notwendig war, um den Wert der Marke
“Blauer Spätburgunder” zu erhalten und zu sichern.
Reinhard Frank
Siehe auch:
Anbaueigenschaften der Frank-Klone